Neuausrichtung

Durch die Verwirklichung des EU-Binnenmarktes im Jahre 1993 war die Autobahnzollstation natürlich in ganz direkter Weise betroffen, weil sie durch den Wegfall der Verzollungsoperationen für EU-Länder einen großen Teil ihres bisherigen Aufgabenbereichs verloren hat.

Die Autobahnzollsation als solche wurde aber nach 1993 nicht überflüssig, denn der Verkehr auf der Brennnerautobahn als wichtigster Verkehrsachse im Nord-Süd-Gütertransport hat weiterhin zugenommen (Zweck des Binnenmarktes ist auch der vermehrte Warenaustausch). Die immer geringere Akzeptanz des Straßengüterverkehrs durch die Bevölkerung vor allem im Bereich der Alpen lässt einen Ausbau der Verkehrswege als unwahrscheinlich erscheinen, umso notwendiger werden in die Autobahn integrierte Dienstleistungsstrukturen, die eine effiziente Abwicklung des Verkehrs, insbesondere des Schwerverkehrs, unterstützen. Dies gilt besonders für die Situation an der Grenze zur Republik Österreich, deren eigenständige verkehrspolitische Maßnahmen sich notwendigerweise direkt an der Grenze auswirken und dort zwangsweise zu Staus und Verkehrsunterbrechungen führen. Ohne die Benutzung der Sadobre-Strukturen als verkehrsentlastendes Auffangbecken wäre an eine einigermaßen reguläre Abwicklung des Güterverkehrs am Brenner nicht  zu denken.

Im Rahmen der Umstrukturierungsmaßnahmen wurde eine Tankstelle und eine Servicestruktur für Fernfahrer und Reisende (TopStop) mit Bar, Restaurant, Pizzeria, Duschen, Übernachtungsmöglichkeiten, Shop usw. gebaut. Die Sadobre konnte sich nun als Autobahnservicestruktur für den internationalen Güter- und Personenverkehr definieren.

Nachdem im Jahre 1996 der Bauleitplan der Gemeinde Freienfeld für den Bereich der Autobahnzollstation (Zone für Produktionsanlagen im Landesinteresse) abgeändert wurde, hat die Sadobre AG eine Fläche von über 100.000 qm als Gewerbegebiet an die Provinz abgetreten.

Im Juni 2010 wurde die BrennerautobahnAG Eigentümerin des gesamten Aktienpaketes der Sadobre AG. Die Infrastrukturen bedürfen nunmehr einer gründlichen Sanierung. Zielsetzungen in diesem Zusammenhang sind die Sicherheit und Steuerung der Verkehrsausnahmesituationen gemeinsam mit dem Bestreben, den Bedürfnissen der Frächter mit entsprechenden Lösungen entgegenzukommen; eine sicherheitsbewußte Politik, die bei der Brennerautobahngesellschaft mit dem Wunsch nach einem stufenweisen Übergang des Schwerverkehrs von der Straße auf die Schiene bestens harmoniert.

Die Zukunft des Autohofes in Freienfeld wird seine Einbindung in ein vielfältiges wirtschaftliches und gesellschaftliches Umfeld der Verkehrsabläufe sein. Unter Einbeziehung aller relevanten Aspekte, wie jener der Wirtschaft, der Raumordnung und der Ökologie werden Maßnahmen ergriffen, um den Autohof den Mobilitätsbedürfnissen und der Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung der Verkehrssysteme und –infrastrukturen anzupassen.